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Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg

Genmais, Milchkühe und viele Fragen

Greenpeace sucht Beweise in Neutrebbin

von Hajo Zenker

Bekommen Milchkühe im Oderbruch Genmais zu fressen? Greenpeace will das mit Futterproben belegen, die man sich in Neutrebbin (Märkisch-Oderland) besorgt hat. Das Agrarunternehmen streitet die Vorwürfe ab.

"Wir wissen ja nicht, in welchen Trog die gegriffen haben. Die waren ja heimlich hier." Siegfried Manthey, Betriebsleiter der TIBO Landwirtschafts GmbH, ist sauer auf die 15 Aktivisten von Greenpeace, die am Dienstag in aller Frühe auf dem Betriebsgelände auftauchten, um Futterproben zu nehmen. Und ihm danach vorwarfen, Genmais an seine Milchkühe zu verfüttern. Weshalb der Molkerei-Konzern als TIBO-Geschäftspartner die Kunden mit der Aussage, die Marke "Landliebe" sei gentechnikfrei, täusche.
Das weist der Milchriese zurück. Greenpeace, so Campina-Sprecherin Simone Krauß, sei widerrechtlich in den Hof eingedrungen und habe illegal Futterproben entnommen. Es geben keinen Grund, an den Aussagen des Lieferanten zu zweifeln. Der wiederum beteuert, dass der Genmais nicht im Futter der Milchkühe landet. Das stehe schließlich, so Manthey, im Vertrag mit Campina. Sonst aber verwendet er Genmais sehr wohl, etwa für die Bullenmast.
Für Greenpeace ist diese Aussage unglaubwürdig. Agrarexperte Martin Hofstetter, der nach eigenem Bekunden selbst vor Ort war, meint, man habe im März Futterproben aus Neutrebbin zugespielt bekommen. Eine Analyse habe gezeigt, dass der enthaltene Mais zu 10 bzw. sogar zu 40 Prozent genverändert gewesen sei. Deshalb sei man ins Oderbruch gefahren. Ein SchnellAuch in diesem Jahr ist Brandenburg wieder Spitzenreiter beim Genmaisanbau in Brandenburg. Detailinformationen finden sie hier:habe ergeben, dass Genmais im Futter der Kühe sei. Der Melker habe sie im übrigen gewähren lassen und sie erst nach einer Viertelstunde zum Gehen aufgefordert. Betriebsleiter Manthey sieht das anders - und hat Anzeige wegen Hausfriedensbruches erstattet. Weshalb man nun, so Polizeisprecher Thomas Wilde, die Namen der Greenpeace-Leute ermitteln werde.
Sonst aber steht TIBO zum Genmais. Mantheys Kollege Karsten Stahl meint, dass man so besonders gesunde Pflanzen ernten könne. Was für gesunde Tiere sorge. Beide Chefs betonen: Man habe den Einsatz von Genmais, erst drei Jahre in der Erprobung und seit drei jahren großflächig, nie bereut. Mitlerweile würden zehn Prozent der 400 Hektar, auf denen man Mais anbaue, mit genverändertem Saatgut bestellt.
Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, kann das nicht nachvollziehen. Wer das nötig habe, "hat seinen Maisanbau nicht im Griff". Alle Erfahrungen zeigten, dass sich Genveränderung weder im Ertrag noch im Gewinn lohne. Stattdessen begebe man sich in eine Abhängigkeit von den Anbietern. 99 Prozent der märkischen Landwirte würden davon auch nichts wissen wollen. Und der schädliche Maiszünsler, der von den Gentechnikbefürwortern ins Feld geführt werde, lasse sich auch anders erfolgreich bekämpfen.
Letzteres sieht Jens-Uwe Schade, Sprecher des Agrarministeriums, genauso. Aber obwohl sich die Begeisterung für Genmais bei ihm "sehr in Grenzen halte", sei dieser in der EU zugelassen. Und nach allen Studien sei der Milch nicht anzumerken, ob die Kuh mit Genmais oder konventionell gefüttert worden sei. Die Molkereien müssten Gentechnik auf der Verpackung nicht ausweisen. Wem deshalb mulmig werde, dem könne er sagen: "Bioprodukte haben wir in Brandenburg genug."

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Anbau 2010?

Das Aktionsbündnis trifft sich das nächste mal am Mittwoch den 22.09. um 17:00 Uhr beim Gen-ethischen Netzwerk, Brunnenstr. 4, Berlin-Mitte, U-Bhf Rosenthaler Platz.

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