Wir haben es satt!
Das Aktionsbündnis
Aktuelles
Termine
Gründungserklärung
Forderungen
Mitglieder
Archiv
Infos & Links
Impressum


In Brandenburg haben sich bisher acht Gentechnikfreie Regionen gegründet:

Uckermark-Barnim

Märkisch-Oderland

Spreewald

Stechlin-Ruppiner Land

Fläming

Prignitz

Südlicher Barnim

Müritz-Ruppiner Land

Parchim/Prignitz


Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg

Interview aus der Märkischen Oderzeizung, 05.05.2008

"Es geht um die Frage, wem Pflanzen und Tiere gehören"

Geschäftsführer Reinhard Jung über den Kampf des Brandenburger Bauernbundes gegen Grüne Gentechnik

Durch die Grüne Gentechnik steht die unternehmerische Freiheit der Landwirtschaftsbetriebe auf dem Spiel, warnt der Geschäftsführer des Brandenburger Bauernbundes, Reinhard Jung. Über den Widerstand der märkischen Landwirte und die Macht weltweit agierender Agrarkonzerne sprach mit ihm SABINE RAKITIN.

Märkische Oderzeitung: Herr Jung, 80 Prozent der deutschen Verbraucher wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel auf ihrem Teller. Ist die Skepsis berechtigt oder sind sie nur hysterisch?

Reinhard Jung: Die Amerikaner sind zu dick, aber sie leben noch und beherrschen die halbe Welt, trotz Gentechnik. Also, als normaler Verbraucher möchte ich zwar auch keine Gentechnik, mache mir aber nicht allzu viele Sorgen. Als Verbraucher von Saatgut, also als Landwirt, sieht die Sache schon anders aus. Über Gentechnik wird viel geredet, im Kern geht es um die Frage: Wem gehören in Zukunft Pflanzen und Tiere? Und das ist eine ganz entscheidende Frage, denn auf dem Spiel steht die unternehmerische Freiheit unserer Landwirtschaftsbetriebe.

Und die sehen Sie bedroht?

Gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere sind patentiert, das heißt sie gehören mitsamt ihren Nachkommen nicht dem Landwirt, sondern dem Hersteller. Der Landwirt kauft sich lediglich durch Zahlung von Lizenzen ein zeitweiliges Nutzungsrecht. Das ist schon eine andere Konstellation als die, die wir heute kennen, auch wenn die Saatgutwirtschaft seit langem versucht, mehr Geld aus den Landwirtschaftsbetrieben herauszupressen. Bei der Gentechnik haben wir es allerdings nicht mit mittelständischen Saatgutunternehmen zu tun, sondern mit einer Handvoll weltweit agierender Agrarkonzerne. Und deren Macht geht zum Beispiel in Amerika so weit, dass sie Lizenzzahlungen sogar von Landwirten erzwingen, die nie gentechnisch verändertes Saatgut angebaut haben. Dass durch Pollenflug oder Verunreinigung von Erntemaschinen die patentierte Saat in den Boden gelangt ist, reicht aus, und das Schlimme ist, dass die Konzerne vor Gericht bisher immer Recht gekriegt haben.

Aber von den Befürwortern wird doch immer argumentiert, welche riesigen Perspektiven die Grüne Gentechnik der Landwirtschaft bietet?

Ich weiß, damit würde der Welthunger besiegt und der Klimawandel löst sich in Luft auf. Wir lesen aber keine Fantasyromane, sondern bewirtschaften Landwirtschaftsbetriebe, und da müssen wir uns schon an die Realität halten. Auf dem Markt sind bisher im wesentlichen zwei Anwendungen: Einmal insektentötende Sorten wie der BT-Mais. Dieselben Effekte erreicht man im konventionellen Ackerbau durch Fruchtfolge, Bodenbearbeitung und, wenn trotzdem zu viel Befall da ist, durch den gezielten Einsatz eines Insektizids. Das andere sind Sorten, die resistent sind gegen das Unkrautvernichtungsmittel desselben Herstellers. Da muss man kein Ökonom sein, um zu erkennen, in welche Abhängigkeit man sich begibt.

Ihre Skepsis teilen doch aber offenbar immer weniger Landwirte oder trügt der Eindruck, dass immer mehr Flächen mit Genmais bestellt werden?

Unsere Skepsis teilen 99,9 Prozent der Landwirte in Brandenburg, jedenfalls insoweit, als sie keine Gentechnik einsetzen. Ich ärgere mich immer, wenn Brandenburg als Hochburg der Grünen Gentechnik bezeichnet wird. Faktisch handelt es sich gerade mal um 0,1 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die für BT-Mais angemeldete Fläche ist in diesem Jahr übrigens gesunken. Außerdem muss man sich mal die Betriebe anschauen, die das machen. Vorsichtig formuliert: Es sind nicht alles Spitzenbetriebe.

Würden die Bauern aber nicht mehr Geld verdienen, wenn sie sich auf den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen einlassen würden?

Geld in der Landwirtschaft ist der Ertrag multipliziert mit den Erlösen, abzüglich der Kosten. Kosten und Erlöse ändern sich ständig, und es wäre unseriös, über die künftige Entwicklung Aussagen zu treffen. Aber das Ertragsniveau, soviel ist gewiss, liegt in Europa, das weitgehend gentechnikfrei ist, deutlich über dem von Amerika. Wir haben hier eine hochproduktive, hocheffiziente Landwirtschaft und müssen uns nicht schlechter machen als wir sind.

Wenn der Bauernbund entschiedener Gegner der Grünen Gentechnik ist – warum sieht man ihn dann nicht bei Protestveranstaltungen, wie sie beispielsweise mehrfach im Oderbruch stattfanden?

Ach, es gibt ja so viele Protestveranstaltungen und wir haben als bäuerliche Interessenvertretung auch noch andere Themen als die Gentechnik. Dazu kommt, dass wir den Umweltschützern nicht immer grün sind, weil die uns jede Menge Bürokratie und Kontrollen eingebrockt haben. Aber natürlich kommunizieren wir miteinander und unser Vizepräsident Bringfried Wolter aus Wilmersdorf (Barnim) hat schon mehrfach auf Diskussionsrunden von Umweltschützern gesprochen. Schade ist allerdings, dass wir bei der Gentechnik nicht mit dem Bauernverband zusammenarbeiten können. So kämpfen wir halt allein und   vertrauen darauf, dass unsere Argumente überzeugen.

Meinen Sie, dass das Prinzip "Jeder kämpft für sich allein" auf Dauer erfolgreich sein kann?

Uns bleibt keine Wahl. Wir haben mehrfach versucht, mit dem Bauernverband einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden. Es gibt ihn nicht. Wie wollen Sie einen Verband ernst nehmen, der einerseits in Sonntagsreden das Patent für Lebewesen ablehnt, andererseits Erleichterungen für den Anbau gentechnisch veränderter, also patentierter Pflanzen fordert? Und dann das Gerede von Koexistenz, obwohl jeder Praktiker weiß, dass es keine Koexistenz geben kann. Mitunter gewinnt man den Eindruck, dass der Bauernverband in dieser Sache nicht nur landwirtschaftliche Interessen zu berücksichtigen hat. Da haben wir es leichter. Wir sind eine reine Bauernorganisation und sonst nichts.


Zur Person
Reinhard Jung, 1965 in Hamburg geboren, ist studierter Historiker und gelernter Landwirt. 2003 kam er nach Lennewitz (Prignitz) und gründete einen Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb. Seit 2004 ist er Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, der die Interessen der bäuerlichen Familienbetriebe vertritt. Er grenzt sich vom sehr viel größeren Deutschen Bauernverband ab, den er im Osten vor allem als Vertreter der LPG-Nachfolgebetriebe sieht. Der Bauernbund Brandenburg hat etwa 250 Mitglieder.


Helfen auch Sie mit Ihrer Spende, die Agro-Gentechnik aus Berlin-Brandenburg fernzuhalten.

Bankverbindung:
Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg
GLS Bank
BLZ: 430 609 67
Kto.Nr.: 111 190 2300

Bitte geben Sie im Verwendungszweck Ihren Namen und Adresse an, damit wir Ihnen eine Spendenbescheinigung schicken können.