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Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg

Endrunde im Kampf um Genmais

MOZ-Artikel, 17.09.2005

Umstrittene Pflanzen werden in fünf Wochen von Feldern geerntet/ Aussagen über Erfolg des Experiments im Herbst

In fünf Wochen ist der Spuk vorbei. Dann holen Landwirte aus Märkisch-Oderland und Oder-Spree ihren Mais von den Feldern. Seit mehr als sechs Monaten streiten Umweltschützer und Bauern um 254 Hektar Land. Dort wuchs in diesem Sommer erstmals gentechnisch veränderter Mais heran.

Ein Hubschrauber der Polizei kreist über dem Oderbruch. Der Pilot fliegt dicht über grüne Felder. Die Beamten sind auf Spurensuche. Umweltschützer wollen Anfang der Woche irgendwo in Märkisch-Oderland gentechnisch veränderten Mais zerstört haben. Das haben sie zumindest im Internet verbreitet. Doch die Suche der Polizei bleibt erfolglos. "Der Einsatz war wiedereinmal umsonst", sagt Polizeisprecherin Branka Agotz. Im Potsdamer Agrarministerium glaubt Peter Rudolph eine Strategiehinter den fingierten Aktionen erkannt zu haben. "Die Umweltschützer hoffen, dass Leute diese Meldungen für bare Münze nehmen - und als Nachahmer für wirkliche Zerstörungen sorgen."

In das Visier der Protestler geriet Brandenburg im Frühjahr dieses Jahres. Zahlreiche Landwirte hatten sich für den Anbau des umstrittenen Mais entschieden. Anfangs sollte er auf einer Fläche von rund 500 Hektar ausgepflanzt werden. Mit dieser Fläche lag die Mark bundesweit an der Spitze. Nach öffentlichem Druck machten einige Bauern jedoch einen Rückzieher von den Experimenten. So wuchs am Ende der Mais auf 254 Hektar heran.

Trotz der Halbierung ließen die Proteste nicht nach. Seither liefern sich Umweltschützer mit Bauern und Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel. Nicht immer endeten die Aktionen so glimpflich wie vor dem Einsatz des Hubschraubers der Polizei.

Erst an diesem Mittwoch erstattete ein Landwirt aus Heinersdorf (Märkisch-Oderland) Anzeige bei der Polizei. Unbekannte knickten auf einem Feld Maispflanzen um oder rissen sie gänzlich aus dem Boden. Möglich wurden solche Aktionen auch, weil die Lage der Felder seit diesem Jahr im bundesweiten Anbauregister des Bundesamtes für Verbrauerschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlicht wurde. Große Hoffnungen, die Täter zu überführen hat die Polizei indes nicht. "Wir warten auf Hinweise von Zeugen", sagt Polizeisprecher Detlef Lüben.

Ob das Experiment mit einem Erfolg endet, wird sich wohl erst nach der Ernte zeigen. Dann entscheiden die Landwirte, ob sich die Investition in den teuren Genmais gelohnt hat - und der Anbau seinen Ärger wert war. "Mein Eindruck ist, dass der Trend zurückgehen wird", sagt Achim Wesin vom Agrarministerium, ohne bislang Zahlen nennen zu können. Das Ministerium in Potsdam hatte sich aus dem Streit um die genetisch veränderten Pflanzen herausgehalten.

Auf einen Erfolg hoffen vor allem die Bauern aus dem Oderbruch. Dort hatten sich einige Landwirte für den umstrittenen Mais entschieden, weil sie Ärger mit dem so genannten Maiszünsler haben. Die Raupen des zimtbraunen Schmetterlings bohren sich in die Stängel und Kolben der Pflanzen ein und bringen sie zum Umbrechen. Der Genuss des veränderten Maises ist für die Raupen tödlich, weil ihm im Genlabor das Gift eines Bakteriums eingepflanzt wurde.

"Das Oderbruch bietet mit seinem wärmeren Klima gute Bedingungen für den Schädling", erklärt Peter Rudolph aus dem Hause von Agrarminister Dietmar Woidke (SPD). Er rechnet im Oktober mit ersten Ergebnissen des Projektes. Dazu werden die Erträge der verschiedenen Anbauflächen miteinander verglichen.


Erneut Genmais-Feld beschädigt

Heinersdorf (ddp-lbg). Erneut ist in Ostbrandenburg ein Feld mit Genmais beschädigt worden. Nach Polizeiangaben war diesmal ein Acker des Tierzuchtgutes Heinersdorf betroffen. Auf einer Fläche von 70 mal 10 Metern wurden Pflanzen herausgerissen oder umgeknickt. Der Schaden wird auf 100 Euro geschätzt. Zu den Tätern gebe es keine Hinweise. In den vergangenen Wochen hatten Genmais-Gegner mehrere Felder im Oderbruch und bei Strausberg beschädigt.

15.09.2005 ib

Online-Aktion



Anbau 2010?

Das Aktionsbündnis trifft sich das nächste mal am Mittwoch den 22.09. um 17:00 Uhr beim Gen-ethischen Netzwerk, Brunnenstr. 4, Berlin-Mitte, U-Bhf Rosenthaler Platz.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.


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