Öffentliche Podiumsdiskussion am 25.10.2005 in Eberswalde
Nach der außerordentlich hohen Zuschauerbeteiligung bei der Podiumsdiskussion über die grüne Gentechnik am letzten Dienstag in der Aula der FH-Eberswalde mit über 120 Anwesenden, möchte ich mich bei allen Gästen und Beteiligten für die gelungene Veranstaltung bedanken! Es wurde deutlich, dass die stillschweigende Verbreitung von GVO in der Landwirtschaft das öffentliche Aufsehen in der Region erregt. Dabei steht fest, dass etwa 70 % der Verbraucher und Verbraucherinnen die Gentechnik nicht wollen. Während der Diskussion ist das mehrfach durch Zuschauerkommentare, kritische Fragen und durch viel Beifall für Heiner Petersen vom Ökolandwirtschaftsbetrieb Gut Wilmersdorf und Marcus Nürnberger von Greenpeace deutlich geworden. Für wesentlichen Gesprächsstoff sorgten hierbei die folgenden Diskussionspunkte:
Während Herr Büssis (Mitarbeiter beim Max Planck Institut) von der GVO befürwortenden Seite überzeugt ist, dass Kulturpflanzen als genetisches System durch wissenschaftliche Untersuchungen verstanden, gentechnisch manipuliert und schließlich verbessert werden können, hielt Heiner Petersen entgegen, dass die Natur in ihrem Gesamtgefüge mit all ihren Kreisläufen, natürlichen Prozessen und Regularien perfekt ist und nicht durch menschliche Aktivitäten verbessert werden kann. Während andererseits Herr Piprek als GVO anbauender Landwirt die angeblichen Vorteilen der Gentechnologie hervorhebt, den Genmaisanbau auf seinen Feldern als wissenschaftlichen Versuch dahinstellt, hierbei aber betont, wie wichtig jedoch sachlich geführte Diskussionen bei diesem Thema seien, übt Marcus Nürnberger daran deutliche Kritik. Denn einerseits sei es nicht legitim, von einem wissenschaftlichen Versuch zu sprechen, weil auf Pipreks Feldern keine unabhängige Forschung betrieben wird, sondern Mais zum Verkauf erzeugt werden soll. Andererseits wurden durch den Anbau von Genmais in Hohenstein bereits klare Fakten geschaffen und die lokale Bevölkerung wurde vor vollendeten Tatsachen gestellt, anstatt über die möglichen Gefahren und Risiken im Vorfeld zu diskutieren.
Neben vielen weiteren wichigen Beiträgen z.B. von Christoff Potthoff vom genethischen Netzwerk, der die Frage stellte, wo eigentlich Monsanto bei solchen Podiumsdiskussionen bleibt oder Martin Webber, der eine grundlegende Kritik an der Sichtweise übte, dass die Natur entweder Gut oder Böse sei (Schädlinge gegen Nützlinge, Kulturpflanzen gegen Unkräuter ...) und dementsprechend vom Menschen umgestaltet werden müsste (z.B. durch die Gentechnik), war auch der Redebeitrag von Reinhard Dalchow, Umweltbeauftragter der evangelischen Kirche, sehr bemerkenswert und erntete viel Beifall. Er hatte hervorgehoben, dass wir zwar die Forschung brauchen. Die Forschung muss jedoch dem Menschen und der Umwelt dienen. Hier gibt es bereits gute Beispiele, wie Ökologie, Ökonomie, soziale Verantwortlichkeit und Ethik zusammengehen können. Beispielsweise wurde die Bionik als Fachwissenschaft genannt, die Funktionsprinzipien und Mechanismen aus der Natur untersucht und nachempfindet, um sie später für die Gesellschaft sinnvoll einsetzen zu können (Bsp.: Kleidung die sich ohne Chemie selbst reinigt). Solche interdisziplinären und ganzheitlichen Ansätze müssten daher ausgebaut und weiterentwickelt werden, anstatt sich zu sehr auf die Gentechnik zu forcieren, die all zu oft als "Wunderwaffe" gegen den Welthunger oder als "moderne Zukunftstechnologie" angepriesen wird. In fast allen Fällen entspricht sie dabei nicht diesen hohen Idealen, sondern hat zu gravierenden Problemen geführt. In Canada hat sich z.B. Genraps unkrontrolliert ausgebreitet und die Kontamination mit GVO ist dort nicht mehr rückholbar. In Indien hat der Verkauf von gentechnisch verändertem Baumwolle-Saatgut dazu geführt, dass erhebliche Ertneeinbußen eingetreten sind und die Bauern sich stark verschuldet haben. Weil viele indische Landwirte keinen Ausweg mehr aus dieser Schuldenfalle gesehen haben, haben sich laut Aussage der alternativen Nobelpreisträgerin, Vandana Shiva, über 20.000 von ihnen das Leben genommen.
P.S.: Eine Zusammenstellung der Filmaufnahmen von der Podiumsdiskussion soll nach Möglichkeit auf der Seite der Fachhochschule Eberswalde http://www.fh-eberswalde.de/info.htm veröffentlicht werden. Das kann jedoch noch eine Weile dauern. Deshalb bitte ich um Geduld.
Herzliche Grüße,
Daniel Fischer
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