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In Brandenburg haben sich bisher acht Gentechnikfreie Regionen gegründet:

Uckermark-Barnim

Märkisch-Oderland

Spreewald

Stechlin-Ruppiner Land

Fläming

Prignitz

Südlicher Barnim

Müritz-Ruppiner Land

Parchim/Prignitz


Aktionsbündnis gentechnikfreie Landwirtschaft Berlin-Brandenburg

Resümee Genmaisanbau 2008 in Brandenburg

Auf den Feldern in Brandenburg ist der Anbau von Genmais in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr - um knapp zehn Prozent von 1.346 auf 1.244 Hektar zurückgegangen. Er liegt aber, bei Maisanbauflächen von insgesamt 150.000 Hektar (135.000 Hektar 2007) auf sehr niedrigem Niveau. Damit hat sich der Trend der Vorjahre zum verstärkten Anbau von Genmais erstmals seit 2005 umgekehrt. Da es keine systematische Untersuchung gibt, kann über die Gründe für den Rückgang nur spekuliert werden. Wahrscheinlich aber ist, dass die drei folgenden Rahmenbedingungen für die individuellen Entscheidungen von Landwirten und die allgemeine "Großwetterlage" mitentscheidend waren:
Erstens hat der Anbau von Genmais hat in den vorhergehenden Jahren nicht die erhofften Vorteile gebracht. Selbst Monsanto, der US-amerikanische Konzern, der in Deutschland den meisten Genmais verkauft, kann keinen substanziellen Ertragsvorteil erkennen. Dies wurde unter anderem auf einer Saatgut-Präsentation des Konzerns Anfang 2008 in Seelow deutlich. So bleibt ein "Nachbarschaftseffekt" aus. Tatsächlich kann man erkennen, dass praktisch keine neuen Anbauer hinzukommen. Hatte sich die Anbaufläche von Genmais in den vorangegangenen Jahren in Brandenburg erhöht, so ließ sich diese Entwicklung im Wesentlichen auf die Ausweitung des Anbaus bei den "alten Bekannten" zurückführen. Auf den Acker kam hier die einzige in Europa überhaupt für den kommerziellen Anbau zugelassene gentechnisch veränderte Pflanze, ein insektengiftiger Mais von Monsanto, der so genannte MON810. Der Mais produziert ein Gift, das ursprünglich aus dem bodenlebenden Bakterium Bacillus thuringiensis stammt, weshalb auch von Bt-Mais gesprochen wird.

Regionaler Protest mit Wirkung

Zweitens haben die regionalen Proteste ihre Wirkung bei den Landwirten nicht verfehlt: In vielen Gemeinden, Dörfern und Regionen entstehen spontane Initiativen, die den Anbau von Genmais zum Thema machen. Auch wenn dieser Mais eine Genehmigung aus Brüssel besitzt, ist sein Anbau nach übereinstimmender Meinung vieler an den Protesten Beteiligter nicht die Privatsache des anbauenden Landwirtes. Der Einsatz transgener Pflanzen ist ein großer Schritt in Richtung einer noch stärker industrialisierten Landwirtschaft. Konfliktstoff ist durch die nach wie vor nicht geklärten Folgen für Umwelt und Natur, für den Frieden auf den Dörfern und für den Ruf einer Region ausreichend vorhanden. Das nach dem Start des Genmaisanbaus in Brandenburg gegründete Aktionsbündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft unterstützt diese Initiativen, zum Beispiel durch die Vermittlung von Referent/-innen und durch Informationen. Drittens schließlich gibt es gerade auch unter Bäuerinnen und Bauern eine weit verbreitete Skepsis, ob mit dem Einsatz gentechnisch veränderter Pflanzen nicht die Büchse der Pandora geöffnet wird. Bei manchen sind es grundsätzliche Bedenken, ob der Mensch derart tief in die Geschicke des Lebens eingreifen sollte, andere sind eher in Sorge, dass sie unumkehrbar in die Abhängigkeit der multinationalen Konzerne geraten - wenn auch nicht mit der kurzfristigen Entscheidung für oder gegen den im Moment angebotenen Mais, so aber eben doch auf lange Sicht, wenn mehr und mehr patentrechtlich geschätztes Saatgut vermarktet wird. Letztere Position vertritt zum Beispiel auch der Bauernbund Brandenburg.
Bereits im vergangenen Jahr deutete sich an, dass das Land seine Gangart in Sachen Gentechnik verändert. Die Aussagen von Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke wurden nach Jahren der Zurückhaltung deutlicher: Die Landesregierung habe, so wird der Minister zum Beispiel vom Berliner Tagesspiegel zitiert, "von Anfang an Zweifel an der Gesundheits- und Umweltverträglichkeit von gentechnisch veränderten Pflanzen" gehabt.
Ein Landwirt, Jörg Piprek aus Hohenstein bei Strausberg, musste seinen gentechnisch veränderten Mais bereits im Juli dieses Jahres ernten. Auch das war Ausdruck eines neuen Vorgehens der Landesregierung, hatte er doch den Genmais innerhalb einer Schutzzone des europäischen FFH-Schutzgebietes Ruhlsdorfer Bruch ausgebracht und sich damit über eine Vorgabe des Landes Brandenburg hinweggesetzt. Eine richterliche Bestätigung der Anordnung des Landes tat ihr übriges, um den "Feldbefreier wider Willen" zum Einlenken zu bewegen.
Zudem hat das Land im letzten Jahr Untersuchungen vorgenommen, die ergaben, dass der Pollen von gentechnisch verändertem Mais weiter fliegt als in der Vergangenheit angenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass zum Beispiel Schmetterlinge auch in einer Entfernung von mehr als hundert Metern zum Feldrand noch mit den Pollen des Bt-Mais in Kontakt kommen können und somit eine Gefährdung nicht ausgeschlossen werden kann. Konsequenterweise wurde in diesem Jahr ein Schutzabstand für gentechnisch veränderte Pflanzen von 800 Metern zu FFH-Gebieten festgelegt.

Die gentechnikfreien Regionen

Für den Widerstand gegen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in Brandenburg und anderswo sind gentechnikfreie Regionen weiterhin ein wichtiges Instrument. In Brandenburg sind dies die Regionen Fläming, Märkisch-Oderland, Müritz-Ruppiner Land, Parchim/Prignitz, Prignitz, Spreewald, Stechlin-Ruppiner Land und Uckermark-Barnim; weitere sind in Gründung, unter anderem im Havelland. Gentechnikfreie Regionen sind vor allem deswegen so wichtig, weil nicht von der Politik in Potsdam, Berlin oder Brüssel über den Anbau von Gen-Pflanzen entschieden wird, sondern auf den Dörfern. Letztendlich liegt es an den einzelnen Landwirtinnen und Landwirten - da ist es gut, wenn vor Ort Farbe bekannt wird. Die Haltung der Bäuerinnen und Bauern in den Regionen übt außerdem Druck auf die Bundes- und EU-Politik aus.
Um diese Bewegung zu unterstützen und um sich über aktuelle Aktivitäten, aber auch über Schwierigkeiten in den gentechnikfreien Regionen auszutauschen, trafen sich deren Vertreterinnen und Vertreter Anfang November in Eggersdorf. Dort wurde deutlich, dass die Gründung in den meisten Regionen von Bio-Betrieben ausgeht. Schwierig ist dann häufig der nächste Schritt, wenn es darum geht, die konventionellen Kolleginnen und Kollegen mit ins Boot zu holen. Nicht, weil diese für den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft wären, aber es gibt Berührungsängste. Aber die, das versicherten die Aktiven aus den Regionen, lassen sich überwinden, wenn Nachbarn miteinander sprechen.

Anfang 2009 wird in Eberswalde ein bundesweites Treffen der gentechnikfreien Regionen und anderer lokaler Initiativen stattfinden, das offen ist für alle Aktiven und die, die es noch werden wollen.

Saskia Dellwing, Bioland, Berliner Büro
Christof Potthof, Gen-ethisches Netzwerk



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